Keine Sorge, ich will niemandem zum Alkoholkonsum bewegen. Ich will auch nicht sagen, dass ich ein Alkoholproblem habe. Was ich zugebe: Ich trinke gelegentlich ein Glas Wein, wenn ich schreibe.
Und damit bin ich nicht alleine. In der Alkolumne von jetzt.de schreibt die Autorin warum auch sie hin und wieder zum Weinglas greift.

Wer kennt es nicht, es muss etwas zu Papier gebracht werden – angefangen von der Geburtstagskarte über das Bewerbungsschreiben bis hin zur allgemein gefürchteten Hausarbeit. Nicht selten geht der Blick ins Leere. Als ob das nicht schlimm genug wäre, lässt eine Deadline im Nacken das höhnische Lachen eines leeren Blattes noch markerschütternder klingen. 

Weißweinschorle in der Dankbar in Leipzig
Weißweinschorle in der Dankbar in Leipzig

Nichts. Nichts, als endlose Leere in meinem Kopf.

Wine not: Warum ich Wein trinke, wenn ich schreibe.

Schreiben ist mir nicht immer so leicht gefallen. Das lag vor allem daran, dass ich nicht wusste worüber ich schreiben sollte. Und wie so oft bei kreativen Sachen: Wenn du zu viel denkst, kommt nicht viel dabei rum. 

Deshalb: Kopf ausschalten und einfach drauf los schreiben. Einfach machen. 
Ich selber gebe oft diesen klugen Ratschlag, der einem in der „leeren Blatt Situation“ aber wirklich am wenigsten hilft.

Warum eigentlich nicht – Wine not?

Auch ich kenne heute noch Phasen von Blockaden – Situationen, in denen ich unbedingt etwas zu Papier bringen will. Und genau dann: Nichts. Nichts, als endlose Leere in meinem Kopf.

Vom wissenschaftlichen zum kreativen Schreiben

Das Schreiben kam bei mir nicht von ganz alleine. Früher hätte ich nie geglaubt, dass mich etwas derart faszinieren kann. 
Ich gebe zu, ich war schon immer ein Mensch der vielen Worte. Kurz fassen? Fehlanzeige. 

Ich lache.

Im Studium gehörte das Schreiben, in Form unzähliger Hausarbeiten, bei uns zum normalen Programm. Während andere unter der Last von zwanzig, dreißig Seiten beinahe zum Erliegen kamen, lief ich erst so richtig auf Hochtouren.

Heute gruselt es mich fast ein bisschen, dass ich mich auf das Hausarbeiten schreiben gefreut habe. Die stundenlange Recherche, das Lesen von Texten und Notizen machen im Café war für mich wie für andere die Yoga-Stunde.

4 Wochen, 4 Hausarbeiten, 100 Seiten Text – für andere der wahr gewordene Albtraum, für mich eine Herausforderung, die ich lachend entgegennahm. 

Parallel zu den ganzen Hausarbeiten, fing ich an Tagebuch zu führen. Erst eine Art Uni-Tagebuch, dass alle Erinnerungen an meine Studienzeit festhalten sollte. Später ließ ich auch meinen Gedanken, Ängsten, Wünschen und Träumen freien Lauf. 

Und schon 2013 war da die Idee für klamottenkonzept. Es hat etwas über drei Jahre Überwindung gebraucht, das Konzept anzugehen.

Etwas später im Studium bot sich mir außerdem die Chance an einem Seminar zum Drehbuch schreiben teilzunehmen. Hier merkte ich noch einmal mehr, wie spannend ich den Schreibprozess finde. Noch viel unglaublicher ist das Gefühl, das Geschaffene in den eigenen Händen zu halten.

Manchmal frage ich mich selber, wie ich trotz Nebenjob, Hausarbeiten und Sport ein normales Leben weitab vom Rande des Wahnsinns führen konnte.
Wahrscheinlich lag es daran, dass ich vor allem in den Abendstunden bis spät in die Nacht geschrieben habe. Und auch noch heute bin ich zu später Stunde besonders produktiv.

Wine not: Warum Wein das Schreiben leichter macht

Und hier kommt der Wein ins Spiel. Es gibt in den Phasen des Schreibens nur mich und den Laptop und gelegentlich ein Glas Wein. Im Sommer gerne einen kühlen Rosé oder Weißwein und im Winter einen intensiven Roten.

Dabei brauche ich den Wein nicht, um produktiver zu sein. Eigentlich geht es dabei vielmehr um das Feeling.

Eine wohlige stimmige Atmosphäre im Dämmerlicht.

Es ist fast wie bei einem Date: Ich erzähle dem leeren Blatt Papier von mir, meinem Leben oder von meinen Recherchen zu einem x-beliebigen Thema.
Weißweinschorle in der Dankbar in Leipzig
Dankbar in Leipzig

Es geht los beim Öffnen einer Flasche. Gefolgt vom ersten Geruchstest und dem ersten knappen Nippen am Glasrand. Gerade wenn ein Thema trockener ist, als der Wein, kann diese Prozedur wahre Wunder bewirken.

Es geht dabei auch nicht darum, mich ins Delirium zu befördern. Immerhin will ich ja noch etwas brauchbares zu Papier bringen. Generell bin ich kein Fan vom Solo-Trinken, weshalb das Glas meist noch halbvoll ist, wenn ich zufrieden meinen Laptop zuklappe.

Dennoch kann ich einen positiven Einfluss vom Wein bestätigen. Nicht umsonst wird auf Veranstaltungen gern mal ein Gläschen ausgeschenkt, um die Stimmung und die Zunge der geladenen Gäste zu lockern.
Dass zu viel Alkohol nicht nur in Gesellschaft, sondern auch vorm Laptop schnell das Gegenteil bewirken kann, dürfte klar sein.

Ich schneide Grimassen

Fakt ist, ich genehmige gern ein kleines Glas guten Wein, wenn ich schreibe.  


Ende.

3 Replies to “Wine not: Warum ich Wein trinke, wenn ich schreibe

  1. Liebe Anni,

    ich finde das völlig legitim. Ich bin bekennender Wein-Fan und gehe gern auf Weinveranstaltungen, um meinen Bestand mal wieder aufzufüllen. Natürlich werden die meisten Flaschen in Gesellschaft geöffnet, aber hin und wieder genehmige ich mir auch ein Glas, wenn ich mal abends für mich einen gemütlichen Abend haben möchte oder auch – wie Du – wenn ich am Laptop sitze.
    Und solange danach nicht die komplette Flasche leer ist, finde ich das auch völlig in Ordnung 🙂

    Ganz liebe Grüße,

    Tabea
    von tabsstyle.com

  2. Es sei dir gegönnt. Ich texte inzwischen beruflich, da darf ich leider nicht trinken, aber bei den ganzen Hausarbeiten war auch das ein oder andere Kölsch drin. Blöd war´s dann, als ich Mutter war. Da musste ich auch einmal 3 Hausarbeiten in 4 Wochen schreiben, hatte noch meine Nebenjobs (15 Stunden/Woche), war schwanger und ich hatte eben das Baby. Da musste ich auch völlig alkoholfrei durch – und wie zu erwarten war: es ging trotzdem. Trinken macht manchmal einfach Spaß – Solange man sein Limit kennt und nicht meint, dass es notwendig ist.

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