Weihnachten wird oft mit Besinnlichkeit und Ruhe gleichgesetzt, obwohl die meisten die Zeit als stressreich und turbulent empfinden. Wie passt das zusammen?

Überall wird gepredigt, wir sollen uns Zeit nehmen und die vergangenen Erinnerungen und Momente, aber auch die gegenwärtigen Stunden bewusst zusammen genießen.

Doch unablässig hören und sehen wir was Weihnachten in unserer Kultur wirklich ausmacht: Konsum. Uns wird suggeriert, dass uns genau dieser glücklich macht.
Dabei sind materielle Dinge wie Zucker: Sie treiben deinen Serotoninspiegel nach oben – aber nur für kurze Zeit. Glück kann man eben nicht kaufen.

Ich halte ein Blatt in der Hand

Mit steigendem Alter rückt die Relevanz materialistischer Dinge in den Hintergrund. 

Kein Wunder, denn ich weiß und lebe bewusst mit diesem Wissen: Das Leben ist begrenzt und die Zeit vergeht viel zu schnell.
Das merke ich nicht nur, wenn bereits im Sommer die ersten Schokoladen-Weihnachtsmänner mahnend daran erinnern, dass nun bald die „schönste Zeit“ des Jahres bevorsteht. 

Und so reden alle von einer besinnlichen Vorweihnachtszeit, sind aber genervt und gestresst, bevor das erste Türchen des Adventskalenders geöffnet wurde.

Materielle Dinge sind wie Zucker:

Sie treiben deinen Serotoninspiegel nach oben – aber nur für kurze Zeit.

Glück kann man eben nicht kaufen.
Zwischen buntem Laub in der Spinnerei in Leipzig
Zwischen buntem Laub in der Spinnerei in Leipzig

Bin ich ein Grinch, nur weil ich keine Lust auf diese Hektik habe und mir wirklich Ruhe und Zeit mit meinen Lieben wünsche? Zeit, die so begrenzt und ein so wichtiges Gut ist.

Weihnachten nach meinem Geschmack

Wunschzettel, Einkaufslisten, Adventssonntage bei den Eltern oder Schwiegereltern, Weihnachtsmarktbesuche mit jedem aus der Freundesliste und dann die unzähligen Weihnachtsessen an nur zwei Feiertagen.
Ach und bei wem verbringen wir dieses Jahr eigentlich den Heiligen Abend?

Meine Illusion einer Happy Family Merry Christmas Party sieht vor, dass wir uns alle – und ich meine alle, die zur Bande gehören, um einen großen Tisch versammeln und gemeinsam viele Leckereien verspeisen und in Erinnerungen schwelgen. 

Wir tragen Kuschelpullover. Die Letzten essen noch, während die Kleinsten spielen und ich wahrscheinlich schon den Nachtisch verputze. Und zum Schluss erhasche ich noch einen Kuss unter dem Mistelzweig von meinem Herzallerliebsten.

Mehr Weihnachtskitsch geht nicht.

Und ehe ich mich versehe, bin ich in einem Kitsch-Movie aus der Filmschmiede Hollywood gelandet. Ein Blinzeln später, holt mich die graue Realität ein.
Der Duft von Braten und Plätzchen ist nur noch eine sanfte Erinnerung, neben den dumpfen Klängen entspannter Musik.

Stressfaktor: Geschenke

Und dann denke ich daran, dass zu Weihnachten, neben all den Leckereien, auch Geschenke gehören. Und obwohl Schenken etwas sehr Schönes ist, bekomme ich direkt hektische Flecken auf Gesicht und Hals.
Gedanken von Ruhe und Besinnlichkeit sind schlagartig vergessen.

Ich halte mir ein Blatt vor das Gesicht

Denn: Gerade die Suche nach dem richtigen Geschenk ufert meist in Stress aus. Ich merke immer wieder, wie sehr ich nach Perfektion beim Schenken strebe. Egal, ob zum Weihnachtsfest oder zum Geburtstag.
Dabei finde ich nichts so furchtbar wie eine völlig überteuerte Geschenkeschlacht.

Das Geschenke kaufen wird jedes Jahr zu einem noch schwierigeren Unterfangen, wenn man bedenkt, dass wir in einer Gesellschaft leben, die vom Konsum beinahe erstickt wird.

Und wie immer stellt sich mir die Frage: Was schenken, wenn die zu beschenkende Person schon alles hat.
Eins ist aber sicher: Es soll besser, größer und toller sein als im letzten Jahr.

Dabei habe ich immer wieder kleine Ideen für süße Aufmerksamkeiten – auch für zwischendurch – und doch gebe ich mich mit „Kleinkram“ nicht zufrieden. So ein Blödsinn eigentlich. Als ob der Geldwert eines Geschenks etwas über meine Liebe oder Zuneigung aussagen könnte.

Ich im Herbstlaub
Im Herbstlaub

Und weil ich dieses Jahr wirklich Wert auf die Zeit legen und dem Geschenkewahnsinn entgehen will, feiere ich nur eine Light-Version von Weihnachten. 

Weihnachten light

Während alle weihnachtlich schmücken und von allen Seiten Last Christmas dröhnt, hoffe ich in diesen Tagen das passende Urlaubsangebot zu finden. Der Plan sieht vor mit Herrn K. in den Flieger zu steigen und all dem Weihnachtswahn entfliehen zu können. Das Ziel: Zur Ruhe kommen und Zeit für die wirklich wichtigen Dinge haben.

Ich flüchte vor dem großen Geschenketausch und halte nur ein paar kleine Aufmerksamkeiten bereit. Es wird fernab der Weihnachtsfeiertage ein paar schöne Stunden mit den engsten meiner Familie geben, aber keinen üblichen Weihnachtsstress.

Bildercollage mit Spruch

Und wie wir alle aus Kevin allein zuhause oder allein in New York wissen, sind Gruppenreise über die Weihnachtsfeiertage keine gute Idee. 
Aber vor allem weil für uns das nächste Jahr wieder einige Trennungen auf Zeit bereit hält, möchte ich jetzt die Zeit, die wir haben, sinnvoll nutzen. Und genau darum geht es ja zu Weihnachten eigentlich, oder?


Ende.

2 Replies to “Weihnachten light

  1. Liebe Anni,
    Toller Text und so schön geschrieben. Ich lese deine Texte sehr gerne!
    Und fühle mich darin wieder: seitdem ich Mutter bin habe ich z.B extrem gewandelt und materielle Dinge sind mir absolut nicht mehr wichtig. Früher war es z.B. die Mega Fernreise und jetzt ist fahre ich lieber mit Hund und Kind an die Ostsee. Am wichtigsten ist mir, dass alle glücklich sind und man als Familie die Zeit zusammen genießt und da ist es egal wo.
    Noch einmal zum eigentlichen Thema: 2012 war ich mehrere Wochen in den USA, auch über Weihnachten, und auch wenn zwar die Familie fehlte, war es ganz schön, dem Weihnachtsstress entflohen zu sein.

    Ganz liebe Grüße
    Doreen

    http://www.kuestengezwitscher.de

    1. Liebe Doreen,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Es freut mich sehr, dass ich mit meinen Worten auch andere erreiche und auf Verständnis stoße. Ich finde es sehr schön, dass du deine Erfahrungen teilst und gute Erinnerungen an diese Zeit hast.
      Mir ist es mittlerweile auch wichtiger die Zeit im Hier und Jetzt intensiv zu genießen und nicht eben, weil jetzt Weihnachten ist.

      Hab einen schönen Abend,
      Anni

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