Analoge Fotografie – hier zählt der Moment. Der Moment des Machens, der Moment des ausbelichteten Bildes. Analoge Fotografie heißt nicht nur auf die Bilder warten, ehe sie entwickelt sind. Es heißt auch, schon während des Fotografierens geduldig zu sein, den perfekten Winkel zu suchen, noch einmal abzusetzen, neu ansetzen, Licht und Schatten auszutarieren, um dann… doch nicht auszulösen.

Während man mit der Digitalkamera jedes Mal ein Bild vom gewünschten Motiv machen könnte, um sich das Ergebnis anzusehen, kann man sich bei der analogen Fotografie nur auf sein Auge, sein Vorstellungsvermögen und das Lesen der Anzeige im Sucher, sofern es diese überhaupt gibt, verlassen.

Dabei rattert nebenbei der Kopf:

Wie wirken Film, Licht und Motiv zusammen?
Wird der Bildausschnitt auch noch auf dem fertigen Foto zum Wow-Effekt führen?

Analoge Fotografie braucht den Blick für die besondere Perspektive.
Es sei denn es ist dir schlichtweg egal, wie viele Bilder auf dem Film verwackelt oder zu dunkel sind oder gar nichts werden.

Warum so zurückhaltend?

Am vergangenen Wochenende habe ich auf einer Veranstaltung zwischen analoger und digitaler Kamera gewechselt. An sich empfehle ich das nicht – die volle Konzentration auf einen Stil macht es wesentlich leichter. Was mir aber aufgefallen ist: Ich habe nicht jedes Motiv, dass ich digital geknipst habe auch analog geschossen.

Immer dann, wenn ich zuerst mit der Digitalkamera geknipst habe, dann gleich mehrfach und aus diversen Winkeln. Beim Blick durch den Sucher meiner Analogen, habe ich schnell gemerkt, dass manche dieser Motive einfach nicht wirken, weshalb ich das ein oder andere Bild für ein späteres Motiv zurückgestellt habe.
Während ich die Bilder von der digitalen Kamera schon längst gesichtet habe, warte ich nun gespannt auf die Ergebnisse mit meiner analogen Spiegelreflex.

Und auf was ich mich besonders freue? Nach dem Entwickeln der Negative, wartet das wirklich Spannende. Nämlich zunächst das Digitalisieren, was jetzt vielleicht nicht besonders spektakulär erscheint, gefolgt vom Bearbeiten zum fertigen Bild.
Noch vor einigen Monaten habe ich dazu komplett den Fotoservice von dm genutzt.

Heißt: Entwicklung, Ausbelichtung, inkl. Daten-CD mit Jpegs. Allerdings hat man hier nur die fertigen Bilder auf CD. Eine tiefergehende Bearbeitung, eine eigene Bildinterpretation oder Bildkorrekturen sind so leider nicht umfassend möglich. Für den ganzen Service muss man circa zehn Euro pro Film mit 36 Bildern einkalkulieren.


Negative digital
aufgenommen mit einer Praktika FX und einem Kodak 200

Und jetzt kommt mein Aber:

Als wir einen Film aus der Praktica aus den 50er Jahren von dm abgeholt haben mussten wir enttäuscht feststellen, dass einige der Bilder zerschnitten waren.

Erst dachten wir es liegt an der Kamera, genauer dem Filmtransport. Wir haben einen weiteren Film testweise geknipst und uns dann entschieden diesen in einem Fotolabor in Leipzig entwickeln zu lassen – denn das Problem lag am vollautomatisierten Entwicklungsprozess von dm.

Die Praktika ist eine voll manuelle Spiegelreflexkamera und genau hier liegt das Problem: Der Filmtransport ist nicht absolut identisch mit dem der modernen analogen Kameras. Das kann leider dazu führen, dass die Negativstreifen an der „falschen“ Stelle geschnitten werden.

Dennoch kann ich den dm Fotoservice empfehlen. Alle anderen Filme, die ich mit meiner analogen Canon geknipst habe, sind beim Fotoservice super geworden. Das ganze Paket ist für alle, die eine „moderne“ Kamera nutzen und ihre Bilder auch digital haben wollen.

Dabei sollte man wissen, dass Farbfilme nach der gleichen Norm entwickelt werden. Bei schwarz-weiß Aufnahmen ist man da weitaus flexibler und man kann während des Entwickelns Einfluss auf helle und dunkle Bildbereiche nehmen. Das solltet ihr beachten, wenn ihr einen Film zum Entwickeln bringt.

Negativ digital
Negativ
Positiv

Mit einer kleinen Firma vor Ort, bei uns zum Beispiel das Studio80 in Leipzig Plagwitz, seid ihr an der richtigen Adresse. Das Entwickeln der Filme ist außerdem wirklich preiswert, schnell und ihr könnt auch wählen, ob ihr auch die fertigen Bilder wollt oder nur die Negative braucht. Sie sind es auch, die uns die Filme aus der Praktica retten können. 

Zumindest so lange, bis ich gelernt habe wie man Filme selber entwickeln kann. Das steht natürlich schon auf meiner To-do-Liste!

Auch wenn der vollumfängliche Service von dm praktisch ist, reicht mir das nicht mehr. Wenn ich jetzt Bilder entwickeln lasse, dann nur noch in Form von Negativen, damit ich danach „selbst Hand anlegen kann“ – damit ich meine Bildinterpretation selbst vollenden kann. Und außerdem funktioniert das Digitalisieren prima von zu Hause aus.

Vom Film zum digitalen Negativ

Zum Digitalisieren braucht man entweder einen Scanner oder eine hochauflösende Kamera. In unserem Fall ist das eine Sony alpha gepaart mit einem 50 mm Objektiv, inkl. Makroring. Wer hat, kann im besten Fall gleich auf ein Makroobjektiv zurückgreifen.

Beim Digitalisieren
Beim Digitalisieren

Ihr braucht außerdem: eine Lichtquelle, ein Stativ und Plexiglas, dass für diffuses Licht sorgt. Dann kann es auch schon losgehen. Ihr müsst die Bilder in RAW aufnehmen, um sie auch später entsprechend bearbeiten zu können.
Am besten legt ihr die Negative auf das Plexiglas und richtet die Kamera mit Stativ nach unten aus. Dann könnt ihr die Negativstreifen einfach weiterschieben und eins nach dem anderen abfotografieren.

Wer sich für Fotografie begeistern kann, wird es vermutlich ahnen – für die Bearbeitung braucht ihr Lightroom. Es gibt hier tatsächlich ein Plugin für das Bearbeiten der digitalisierten Negative. Man kann den Film, das Aufnahmegerät und vieles mehr einstellen, um das Negativ in ein Positiv zu wandeln.

Doch es muss nicht gleich eine Kaufversion sein, man kann mit ein paar Handgriffen eigene Presets erstellen, mit denen man wirklich gute Ergebnisse erzielt.

Schwarz-weiß Bilder in ein Positiv zu wandeln ist recht einfach – hierzu kehrt ihr die Gradiationskurve um und schon habt ihr ein passables schwarz-weiß Bild. Im Nachgang könnt ihr noch an die Feinabstimmung von Licht, Tiefen und Kontrast gehen.

Vergesst nicht die Objektivkorrektur zu aktivieren, um das Bild zu entzerren.

Bei Farbaufnahmen geht ihr zunächst ähnlich vor. Kehrt die Gradiationskurve um und traut euch dann in der Feinabstimmung mit Farbtemperatur, Lichtern, Tiefen und Belichtung zu experimentieren, bis euch das Ergebnis gefällt.

Positiv im Lightroom
aufgenommen mit einer Praktika FX und einem Kodak 200

Für alle die jetzt auf Aufschreien und sagen, dass bei analoger Fotografie „out of Cam“ genau das ist, was den Charme ausmacht: Ja, ich weiß und sehe das auch ganz ähnlich.

Dennoch, hier kommt mein zweites Aber: Die Bildbearbeitung selbst, ist mindestens so alt wie die Fotografie und gehört einfach dazu.



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