Wenn ich an Leipzig denke, dann denke ich heute vor allem an Zuhause. Leipzig war früher für mich immer die coole Großstadt, aber dafür meine Heimat Halle verlassen? Auf keinen Fall. Zu groß, zu anonym, zu weit entfernt.

Aus heutiger Sicht trifft keines der Argumente zu. Im Gegensatz zu meiner Heimatstadt kann man in Leipzig auch mal spazieren gehen ohne ständig jemanden grüßen zu müssen. Außerdem schreckt mich die Tatsache „jeder kennt jeden“ ab – etwas, dass ich auch am Dorfkind Dasein schrecklich fand. Meine kindliche Einschätzung von Entfernung hat sich mittlerweile auch relativiert und über die Größe der Stadt brauchen wir gar nicht reden.

Martin-Luther-Ring in Leipzig
Martin-Luther-Ring in Leipzig

Das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür.

In Zeiten von Instagram wird uns vorgelebt, dass man bis ans Ende der Welt reisen muss. Aber muss man das wirklich?

Schon während des Studiums freundete ich mich mit dem Gedanken an, es mal mit Leipzig zu probieren. Schlussendlich hat mich primär kein beruflicher, sondern ein anderer glücklicher Zufall nach Leipzig geführt. Ich habe mich aber nicht nur in einen Menschen dieser schönen Stadt verliebt, sondern auch in mein neues Zuhause.

Was ich in Leipzig schon länger beobachte ist der Zuwachs an Touristen. Und mal ehrlich, wundert das wirklich jemanden: die Stadt wächst rasant, eine Gegend ist cooler als die andere, es herrscht immer lebendiges Treiben und das nicht nur im Zentrum. Leipzig wird schon als das neue Berlin gehandelt.

Das Schöne ist so nah

Wir sehnen uns immer so sehr nach Neuem, nach Unbekanntem und hoffen genau das in anderen Städten, Ländern oder Kulturen zu finden. In Zeiten von Instagram wird uns vorgelebt, dass man bis ans Ende der Welt reisen muss. Aber muss man das wirklich? Ich denke nicht! Denn das Unbekannte und vor allem Schöne ist so nah.

Karli Leipzig
Karli Leipzig

Das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür. Ich habe im letzten Jahr sehr viele Ecken von Leipzig kennengelernt und mich sofort verliebt. Dabei habe ich bis jetzt nur einen Bruchteil vom Ganzen gesehen. Ich bin noch immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, die mir die Stadt erzählt.

Für Leipzig habe ich ein besonderes Projekt gestartet – eine analoge Fototour durch die schönste Stadt, die ich mittlerweile mein Zuhause nennen darf. Ich kann euch sagen, es ist gar nicht so einfach sich auf wenig Motive zu beschränken, denn es gibt unzählige Highlights.

Sightseeing ist für mich meist ein ausgedehnter Spaziergang – ohne besonderen Fokus auf bekannte Touristen Hot Spots. Auch in Leipzig lohnt sich es sich einfach rumzuspazieren – nicht etwa nur in den Parks und davon gibt es wirklich viele.
Ich meine das Schlendern durch die hübschen Straßen, die von imposanten Altbauten gesäumt sind. Ich bekomme nie genug davon, mich durch die wuseligen Gassen der Innenstadt zu schlängeln. Kurz: Es zieht mich hier einfach immer nach draußen.

Altbaufassaden
Altbaufassaden

Der Charme der von Leipzig ausgeht, ist nicht in Worte zu fassen – man muss das einfach erleben. Während Halle nur an Freitagen oder am Wochenende und das auch nur während des Semesters lebendig wird, scheint Leipzig nie zu schlafen. Ich spüre immer direkt ein kleines Lächeln in mir aufsteigen, wenn ich durch die belebten Straßen gehe.

Spazieren, entdecken & erleben

Woran ich mich einfach nicht satt sehen kann, sind die schönen Häuser und die tollen Fassaden der Altbauten oder der großzügige Markplatz.
Ich glaube mein liebstes Fotomotiv ist die Konstellation aus dem City Hochhaus, auch Uniriese genannt und dem Gewandhaus am Augustusplatz – diese Linien, einfach traumhaft. Wenn man vor dem riesigen Gebäude steht merkt man einmal mehr wie klein man ist. Für den besten Blick über die Stadt solltet ihr mit dem Fahrstuhl unbedingt auf die Aussichtsplattform vom Uniriesen fahren.

Uniriese von Leipzig
Uniriese von Leipzig

Eine schöne Aussicht und gute Drinks bietet aber auch die Rooftop Bar vom Innside Leipzig. Hier gilt allerdings: besser over- als underdressed.

Wer, wie ich, auf schöne Bauten steht, wird mit dem Besuch der Universitätsbibliothek oder dem Bundesverwaltungsgericht belohnt.
Ein weiteres wunderschönes Bauwerk ist der Hauptbahnhof. Er ist Europas größter Kopfbahnhof und zählt zu den am stärksten frequentierten Fernbahnhöfen. Ein bisschen U-Bahn- und somit echtes Großstadtfeeling bekommt ihr, wenn ihr mit der S-Bahn durch den Citytunnel düst – eine Haltestelle befindet sich direkt unter dem Markt.

Bundesverwaltungsgericht
Bundesverwaltungsgericht
Auf dem Leipziger Bahnhof
Auf dem Leipziger Bahnhof

Egal ob mit oder ohne Kind, auch der Leipziger Zoo ist eines der beliebtesten Ausflugsziele. Wer einen kleinen Vorgeschmack erhaschen will, sollte ins Rosental zum Zooschaufenster.

Im Rosental, ein hübscher Stadtpark, in dem nur zu gern meine Laufrunde drehe, findet im Sommer das Klassik airleben statt. Eine kostenfreie Open Air Veranstaltung mit klassischer Musik, gespielt vom Gewandhausorchester. Auf keinen Fall dürft ihr die Decke und den Picknickkorb vergessen.

Inspiration, Auszeit & lecker Essen

Wenn ich Zeit für mich oder Inspiration suche, verbringe ich am liebsten Zeit in einem der vielen Cafés. Ich möchte mich gar nicht entscheiden, welches mein liebstes Lokal ist – dafür sind alle viel zu individuell und schön, auf ihre ganz eigene Art.

Luise in der Gottschedstraße
Luise in der Gottschedstraße

Dennoch verbringe ich die meiste Zeit wohl im Pilot oder in der Luise in der Gottschedstraße – trinkt im Pilot unbedingt die Pilotenlimonade und gönnt euch das Avocadobrot.
Im Hinterhof vom Barcelona kommt Urlaubsstimmung auf und in der Vodkaria wird es süffig.

Absolut empfehlen kann ich die hausgemachte Limo in der Dankbar auf der Jahnallee. Schaut euch unbedingt diesen Laden an. Ursprünglich war die Dankbar eine alte Fleischerei und die Elemente wurden in das jetzige Konzept übernommen – einfach grandios.

Dankbar Leipzig
Dankbar Leipzig

Wer ein kleines, aber feines Frühstück sucht, wird im Röseling auf der Karl-Liebknecht-Straße fündig. Im Übrigen ist die „Karli“ die Kneipenmeile der Stadt. Ein Besuch auf der langen Geraden ist Pflichtprogramm.


Wer auf der Suche nach gutem Essen ist, der sollte unbedingt über die Karl-Heine-Straße schlendern. Die Liste der guten Restaurants ist lang. Es gibt einen hervorragenden Asiaten, das Lokal heißt Fam Tran Phat. Leckeren Kumpir gibts im Don Kichot. Wer auf Tapas steht muss unbedingt im La Catina vorbeischauen – der Laden hat eine tolle Atmosphäre, allein deshalb lohnt ein Besuch. Wer auf gute Burger oder leckeren Salat steht, der sollte dringend ein Mittag- oder Abendessen im Kaiserbad einplanen.

Am Karl-Heine-Kanal
Am Karl-Heine-Kanal

Ein Muss im Sommer: ein Besuch des Stadthafens. Ob mit oder ohne Bootstour, hier lässt es sich im Sand mit Bier und Musik aushalten.
Wer großen Hunger hat, sollte im Sommer auch dringend den Biergarten der Substanz aufsuchen, eine wahre Institution in Leipzig. Hier gibt es köstliche Burger, frisch vom Grill und echt hausgemacht.

Stadthafen Leipzig
Stadthafen Leipzig

Ich habe etwa die Hälfte meiner Masterarbeit in Leipzigs Cafés geschrieben. Und ich genieße hier jeden Moment, den ich für das Entwickeln neuer Ideen und das Schreiben von Texten nutzen kann. Deshalb verbringe ich auch unheimlich gern alleine Zeit bei einem Kaffee oder einer kalten Limo – vorzugsweise im Sommer auf dem Freisitz. Dann fühle ich mich immer wie eine ernstzunehmende Schriftstellerin.
Aber auch mit Herrn K., Freunden oder Familie ist es reizvoll Bekanntes zu besuchen oder neu zu entdecken und mich somit noch ein bisschen mehr in Leipzig zu verlieben.


Ende.

3 Replies to “Leipzig, I’m in love.

  1. Sehr schöner Beitrag!
    Ich war erst letztes Wochenende in Leipzig und ich finde die Stadt wirklich wunderbar. Wir haben im Innside Melia übernachtet und natürlich die Bar ausprobiert. Echt lecker. Und ein Zoo Besuch sowie ein Getränk im Barfussgässchen musste natürlich auch sein 🙂
    Viele Grüße

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