klamottenkonzept: Ein erster Gedanke vor fünf Jahren. Meine Güte, f-ü-n-f Jahre, wo ist die Zeit hin? Ich stehe vor dem Spiegel, geblümter Rock. Die Sandalen tragen das Grün der Stängel, das Top die Farbe der Blüten und der Lippenstift rundet alles ab – das Klamottenkonzept, vom Scheitel bis zur Spitze, sitzt. Ich lächle beim kurzen Gedanken daran, wie ich oft scherzhaft gesagt habe, dass ich am liebsten persönliche Einkäuferin für gut zahlende Kundinnen wäre. Tik, tik, tik: ein Bild auf Instagram, getagged mit #klamottenkonzept, schon längst gelöscht.

Heute, fünf Jahre später. Kein Leben als Personal Shopperin, klamottenkonzept gibt es tatsächlich. Doch die Vision, mit der ich damals das Konzept für meinen Modeblog begründet habe, ist längst verschwommen. Weit weg, nichts womit ich mich heute begeistern kann. Nichts wofür ich ehrliche Worte finde.

Ich stehe auf der Straße

Es ist nicht so, dass ich der Mode nichts mehr abgewinnen kann, im Gegenteil. Sie ist für mich nach wie vor Ausdruck von Stärke. Mehr als je zuvor. Sagt sie so viel mehr aus als die Oberflächlichkeit, die leider viele in ihr sehen. Mode kann ein Statement sein, eine Entscheidung. Was ich aber nicht mehr will: Lob erhaschen, weil ich der Klamotten wegen toll, hübsch und süß aussehe.

Ich will keine Likes oder Floskeln, wie „Wow, toller Look, Süße.“ für mein Aussehen auf einem Bild, bei dem sich der Text eigentlich um wichtigere Themen dreht als um mein vergängliches Äußeres.

Schon seit einigen Monaten drehe und schraube ich am Konzept für klamottenkonzept. Nach dem Weggang von WordPress zur eigenen Domain, wurde das Bloggen noch einmal intensiver, noch wichtiger für mich. Ich habe so viel gelernt – gemerkt, dass Bloggen echtes Business ist.

Mittlerweile merke ich, dass ich mir damit den Traum vom Schreiben erfüllt habe, den ich seit Kindheitstagen träume. Zwar nicht als Autorin von Romanen, aber es ist ja das Leben, dass die besten Geschichten schreibt. Und das will ich auch.
Ich will weg vom Image der Modebloggerin, weg von der Oberflächlichkeit, weg von den immer gleichen Styling Tipps zur hundertsten neuen Jeans.

Ich sitze auf einer Mauer
Ich sitze auf einer Mauer

Bye bye klamottenkonzept

Im letzten Jahr hat sich nicht nur der Look vom Blog gewandelt, sondern auch die Botschaft dahinter. Erst ist die alleinige Bezeichnung Modeblog verschwunden. Dann löste ich die einstige Hauptkategorie von der Startseite und setzte mehr auf das, was mir wirklich wichtig ist, was mich bewegt. Das Denken, das Fühlen, Momente, die nicht nur rosarot sind. Und natürlich das was Spaß macht, Neues entdecken und ausprobieren und daran wachsen.

Ich sitze auf einer Mauer

Passenderweise bin ich zu dieser Zeit auf Tara von wastarasagt, ehemals fashionlunch gestoßen. Ihr erging es ähnlich. Ich habe ihre Texte aufgesogen, mich in ihren Worten wiedergefunden und mich eigentlich nur in meinen Gedanken bestärkt gefühlt. Und ich bin immer wieder begeistert von ihrer ehrlich-frischen Art und ihrem einmaligen Können Gefühle und Stärke durch Worte zu transportieren.

Und auch ich will ehrliche Worte, Denkanstöße liefern und dafür ernst gemeintes Lob bekommen. Ich will Komplimente oder Kritik für mein Sein und meine Stärken, mein Leben und mein Denken, auch wenn es aneckt. Ich will mehr als sinnlos verteilte Herzchen und unbedachte Höflichkeiten von Menschen, die mit Mode ausschließlich Oberflächlichkeit verbinden. Ich will keine Likes oder Floskeln, wie „Wow, toller Look, Süße.“ für mein Aussehen auf einem Bild, bei dem sich der Text eigentlich um wichtigere Themen dreht als um mein vergängliches Äußeres.

Diesen Wandel vollziehe ich nicht nur auf dem Blog. Mehr unbewusst habe ich das bereits auch auf meinen Instagram Feed angewendet. Ich zeige mehr von dem was ich bin, was mir gefällt.

Und vor allem, weil ich nicht viel von spontanen Situationen wie diesen halte:
„Seht her. Ich esse jetzt ein Eis. Egal wer jetzt dabei oder in greifbarer Nähe ist, macht umgehend ein oder vierzig Fotos auf denen ich super fancy und super süß in die Kamera lächle, damit ich instant posten kann.“

Was keiner weiß: Das Eis habe ich dann natürlich nicht gegessen, weil geschmolzen. Ist sowieso nicht gut für meine Bikini Summer Shape.

Fotos von Reisen auf denen ich nicht zu sehen bin? Ja bitte – ich will euch ja die Schönheit des Landes oder des Ortes zeigen und nicht wie wunderbar ich euch die Sicht auf das Wesentliche nehmen kann.
Zu meinem Feed gehören aber auch weiterhin Bilder aus Shootings. Einfach, weil es mir mittlerweile Spaß macht, mich nicht nur hinter der Kamera auszuprobieren.

Ich sitze auf einer Mauer
Ich sitze auf einer Mauer

Ich will in solchen Situationen eben mein Eis oder die Zeit mit dem Menschen, der mir gegenüber sitzt, genießen und nicht zum Tyrann mutieren, der ich bei einem Shooting durchaus sein kann.
Kurzum: Es soll mehr von mir geben, meinem Können und bis dato unentdeckten Talenten. Nur eben nicht in Form von Bildern auf denen ich drauf bin – mit dem Risiko, dass es nicht der breiten Masse gefällt.

Was bedeutet das ganz konkret?

Die Kategorie klamotten, die das Konstrukt klamottenkonzept am Leben erhält, wird es weiterhin geben. In gewandelter Form, in der ich Mode als Ausdruck von Stärke, als Aussage zeige oder in dem ich einfach auf Worte verzichte.

Ich sitze auf der Straße

klamottenkonzept in der Urform jedoch nicht – so langsam gewöhne ich euch und mich bereits daran. Aktuell bin ich, so sehr es mich schmerzt, auch auf kreativer Findungsphase was einen neuen Namen betrifft.

Allein der Gedanke an einen Domainumzug bereitet mir Kopfzerbrechen und große Bauschmerzen.
Ich habe so viele Begründungen niedergeschrieben, die den Namen klamottenkonzept rechtfertigen, damit ich mich nicht davon trennen muss.

So steht Klamotte eigentlich für alte zerbrochene Mauersteine oder Ziegel.
Wie passend, da ich meine Outfits zu Beginn immer vor einer Ziegelwand geshootet habe.
Ansonsten kann man als Klamotte auch ein Theaterstück, einen niveaulosen Schwank oder derben Humor verstehen.
Das passt vielleicht nicht ganz, bis auf den barschen Humor und dass wir im Leben alle Theater spielen – ein Hoch auf das Soziologiestudium und die Theorie von Goffman.

Ich stehe vor einem Tor
Mach was du liebst!

Im Endeffekt bin ich aber zu dem Entschluss gekommen, dass egal wie viele Argumente ich dafür finde mit dem Wort klamottenkonzept mehr als Mode und Outfits zu verbinden, die Wenigsten etwas anderes damit als Oberflächlichkeit assoziieren.
Und manchmal, so habe ich es erst vor Kurzem selbst geschrieben, muss man eben loslassen, um sich wirklich zu verändern, um sich wirklich zu entwickeln.


Ende.

One Reply to “klamottenkonzept”

  1. Ich persönlich finde diese Art des Wandels sehr gut. Ich persönlich versuche jetzt auch etwas persönlicher auf meinem Blog zu werden. Mir gefällt das wirklich sehr, aber ich weiß nicht wie es bei anderen ankommt und ich habe immer ein bisschen Angst vor der Reaktion. Auf Instagram habe ich schon von Anfang an sehr natürliche Bilder gepostet. Deshalb habe ich großen Respekt vor dir.
    Liebe Grüße
    Luisa von https://www.allaboutluisa.com/

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