Analog. Wie sich das anhört. Fast antiquiert. Heute ist doch alles digital und jeder online. Schneller, weiter. schöner. Halt, stopp. Ich liebe es vintage und back to the roots und nicht nur, weil es gerade auf Instagram trendet. Für mein neues Leipzig Projekt habe ich meine analoge Kamera, gut eigentlich die von meinem Pap, reaktiviert. Und zwar so richtig. Filter- und Retroeffekt, nur ohne Filter. Bildrauschen und Körnung ganz ohne Lightroom Preset. Aber gehen wir ein Stück zurück.

Fototour durch Leipzig
Fototour durch Leipzig

Jugendweihe 2004. Kurz nachdem sich mein Vater eine Kamera gekauft hatte, wollte ich unbedingt auch so ein modernes Geschoss. Ich investierte also einiges an Geld in eine analoge Spiegelreflexkamera, Filme und Batterien. Ja richtig gelesen, Batterien. Ich fühlte mich wie ein Profi. Schoss drauf los: Klick, klick, klick – jedoch ohne Sinn und Verstand. Die Begeisterung kannte keine Grenzen – dachte ich.

Denn kurz darauf landete die Kamera wieder im Schrank. Der Grund: die ersten Digitalkameras. Technikrevolution. Meine Güte waren die leicht, handlich und stell dir das mal vor – man konnte direkt sehen was man da gerade Großartiges produziert hatte. Die Bilderflut überschwemmt bis heute ganze Festplatten. Sinnvolle Motivauswahl? Denkste. Draufhalten, durchladen und Schuss.

Die neuen, alten Kameras, sowohl meine als auch die meines Paps, fristeten von nun an ein trostloses Dasein. Wozu mit der ach so komplizierten Technik befassen, wenn die coole Digicam alles alleine macht?!

Sommer 2010. Mich packte plötzlich der Ehrgeiz noch einmal so richtig durchzustarten – mit neuer Kamera und besserer Auflösung. Die Bilder in Briefmarkengröße zeigten zwar instragrammable keine Hautunreinheiten, man erkannte aber auch nur mit Lupe, wer dass überhaupt auf dem Bild sein sollte.

ausgedruckte Fotos
ausgedruckte Fotos

Zum nächsten Geburtstag dann die große Überraschung – zwar keine Spiegelreflex wie in meinen Träumen, aber eine Kompaktkamera mit ausgereiftem Funktionsumfang.

Die Kamera kam vor allem, wie sollte es auch anders sein, in zahlreichen Urlauben zum Einsatz. Und dort nicht zu knapp. Aber zu Hause in der Freizeit fehlten mir einfach die Motive – kurz: Ich wusste nicht nicht wie ich mein spannendes Dorfkind-Dasein inszenieren sollte. Hätte ich Instagram eher entdeckt, hätte ich sicher einige Inspiration dafür gefunden.

…weißt du noch?

Der Grund warum ich schon immer – mehr geknipst als – fotografiert habe: Das fertige Bild in den Händen halten. Ich arbeite noch heute aktiv gegen das Aussterben von Fotos mit haptischem Feedback. Regelmäßig lasse ich Bilder entwickeln, nur um sie dann in meinem analogen Kalender mit mir rumzutragen oder sie total kitschig in Pärchenalben einzusortieren.

Fotos und Kamera
Fotos und Kamera

Im Studium war ich eigentlich immer die, die eine Kamera um den Hals hatte, auch wenn ich von den vielen Tricks und Kniffen nur wenig Ahnung hatte. Was zählt ist die Erinnerung.
Nicht zuletzt waren es dann aber Herr K. und natürlich auch mein Blog, durch die ich noch mehr Einblick in die Thematik bekomme habe und so einiges dazu lernen konnte.

Ich erinnere mich noch genau, als wir das erste mal zusammen in Finnland waren und ich mich nicht getraut habe auch nur meine Kamera aus dem Koffer zu holen.

„Was, wenn er sieht wie unfähig ich bin die Kamera zu bedienen? Oh Gott, halte ich sie überhaupt richtig?“

Leben mit einem Profi-Fotografen.

Schwachsinn eigentlich, heute frage ich, wenn ich etwas nicht weiß oder lese und probiere mich selbst.
Und wer gute Bilder haben will, muss wissen wie man sie macht – so einfach ist das.

Der Prozess an sich ist natürlich super spannend und die technischen Finessen von heute machen das Fotografieren wirklich zum Genuss, aber was mir oft fehlt: das echte, das gedruckte Bild.
Gerade wenn es um Erinnerungen geht, muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Da geht es weniger um das perfekte Foto. Ich habe Alben aus der Grundschule, von Klassenfahrten oder aus der Jugend. Ich sage euch, die sind nicht nur modisch ein echtes Highlight, sondern auch für die grauen Zellen.

Tourimodus in Prag
Tourimodus in Prag

Deshalb liebe ich es Einwegkameras zu nutzen – ein Klick, ziemlich unspektakulär, aber fast so einfach wie bei einer Digitalkamera im Automatikmodus. Nur, dass man hier auf das fertige Bild warten muss. Ich sehe mir diese Bilder so viel öfter an, als die auf der Festplatte. Und deshalb kommt in jeden Urlaub eine dieser kleinen Knipsschachteln mit. Warum ich nicht die große Analoge einpacke? Habt ihr schon einmal beim Städtetrip zwei oder drei Kameras um den Hals getragen, eine schwerer als die andere – Komfort sieht anders aus. Ich spreche aus Erfahrung.

Was mir dabei aufgefallen ist. Man vergisst schnell, dass man noch eine zweite Kamera im Gepäck hat und die Möglichkeiten, oh Wunder, absolut begrenzt sind.

Schau dich um, das Schöne ist so nah.

Warum sind wir auf Reisen immer so bedacht alles festzuhalten, das Schöne einzufangen und darüber zu erzählen? Dabei liegt das Schöne so nah – so zum Beispiel in Leipzig. Es gibt hier tausende sehenswerte Ecken, viele beeindruckende Bauten und einiges zu erleben. Ich wollte genau das herausstellen und hatte direkt eine schwarz-weiß Fotoreportage im Kopf, als Ergänzung zum geschriebenen Wort.

Das und auch, dass Herr K. es sich erlaubt mit seiner Technik tausende Kilometer entfernt durch den Tiefschnee zu stapfen, ist der Grund warum ich zur analogen Kamera gegriffen habe. Also bin ich vergangene Woche losgezogen, auf Fototour durch Leipzig.

Was heißt analog Fotografieren? Es geht schon los beim Film einlegen – ist leichter als man denken könnte. Analog Fotografieren ist vor allem ein bewusstes Vorgehen, bei dem man sich aktiv mit dem Motiv und der Stimmung, die man einfangen möchte, auseinandersetzt. 36 Bilder auf dem Film wollen wohl überlegt verschossen werden.
Da bleibt man schon mal länger stehen, checkt die Perspektive, das Licht und drückt dann … doch nicht durch.

Es ist definitv von Vorteil, wenn du schon einmal im manuellen oder mit Zeit- beziehungsweise Blendenautomatik fotografiert hast und ungefähr weißt, wozu ein Belichtungsmesser, sofern vorhanden, dient. Wenn du dir nicht sicher bist, dann greif erst einmal zu einer digitalen Kamera und teste die verschiedenen Modi – üben, üben, üben.

Ich frage mich, wie blutige Anfänger früher gelernt haben ein gut belichtetes Bild zu machen. Ich wollte mir auch merken, welche Einstellung ich genutzt habe, kaum war das Bild im Kasten, war alles vergessen.

An die Blicke, wenn du im Dreck liegst, gewöhnst du dich auch recht schnell. Du glaubst gar nicht, wie sehr du dein Display vermissen wirst. Denn ob es scharf ist und du den richtigen Blickwinkel gefunden hast, weißt du nur, wenn du es schaffst durch den minikleinen Sucher zu gucken.

Was ich besonders an der analogen Fotografie mag? Das man sich bewusster mit der Kamera und dem Bild, das man festhalten will, auseinandersetzen muss. Und ganz klar, die Aufregung, wenn du den Umschlag mit den fertigen Bilder in der Hand hältst und nicht weißt, ob die ganze Arbeit umsonst war.


Ende.

5 Replies to “Analog Fotografieren

  1. Liebe Anni,

    auch ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, wo alles nur analog ging. Ja, damals musste man wirklich fotografieren können, wenn man gute Bilder haben wollte.
    Ich bin froh, dass ich meine kleine Digi-Cam habe, aber der Charme der Bilder ist ein ganz anderer.

    Ganz liebe Grüße,

    Tabea
    von tabsstyle.com

    1. Hey Tabea,

      ich fotografiere generell gerne, seit dem ich angefangen habe zu bloggen noch einmal mehr und ich zwinge mich dadurch auch besser zu werden. Mit der analogen Fotografie hab ich etwas altes neu für mich entdeckt und habe, mehr als damals, den Elan was tolles draus zu machen.

      Liebe Grüße Anni

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